//you’re reading...

Allgemein

Massenkompatibilität oder Informationskonflikt

Ist das Web 2.0 Massenkompatibel? Ende des letzten Jahres befasste sich Marc Schnitzius in seinem Beitrag zum Blog-Adventskalender mit dieser Fragestellung und wünschte sich für das Jahr 2010 eine Kompatibilität der Strömungen bzw. ein größeres Interesse am Web 2.0, sodass der Austausch nicht nur zwischen “Alten Hasen”, sondern zwischen verschieden Gruppen/Strömungen, besonders neuen Nutzern stattfinden kann.

Facebook, Twitter und andere Services, die das Web 2.0 beinhaltet, finden mehr und mehr Zuwachs,(nicht nur aus der IT-Szene), die Services sind ein Mittel geworden, um mit seinen Freunden in Kontakt zu bleiben.

Zwei verschiedene Strömungen (Web 2.0er und “Neulinge”), die ein gemeinsames Ziel verfolgen, den Austausch, doch differenzierte Botschaften verbreiten. Zwei verschiedene Botschaftentypen treffen in einem Netzwerk zusammen, zum einen Informationen um Technik, Trends, Gadgets, Web 2.0 und ähnliches, zum anderen aber auch persönliche Informationen der User, die ihren Alltag mit ihren Freunden teilen wollen. Was passiert nun, wenn beide Informationstypen aufeinander trfeffen? Zunächst einmal nichts, es ist vom Netzwerk und vom Zielpublikum abhängig, besonders aber vom Zielpublikum.
Twitter hat da einen großen Vorteil, ich kann jedem followen, dem ich möchte, (ob ich ihn nun kenne oder nicht), ich folllowe nur dem, der meine Interessen teilt bzw. von dem ich Informationen erhalten, aber auch Austauschen möchte. Genauso ist es auch mit meinen Followern, nur derjenige, followet mir, der sich auch für meine Posts interessiert. Es ist ein Interessen-Nachfragendes Zusammenspiel einzelner Faktoren. Eine Kollision von Interessen wird es nicht geben, da es dynamisch ist, ich kann jederzeit followen und unfollowen. Ich passe das System nach meinen Wünschen an. Das heißt, ich bekomme auch nur die Informationen, die ich möchte. Wie sieht es nun auf anderen Plattformen, wie Facebook aus? Facebook bildet (wie andere Plattformen) einen “virtuellen Raum”zum Austausch. Doch dieser Austausch findet zwischen realen Freunden statt. Die Nutzer berichten von ihren persönliches Erlebnissen/Geschehnissen des Tages, es ist ein Gespräch unter Freunden. (Natürlich können diese Informationen auch auf anderen Plattformen erscheinen.)
Distanzüberwindend und in Echtzeit, ein weiterer Vorteil der dadurch geboten wird, zudem kann man mehrere Freunde gleichzeitig erreichen.

Was passiert aber, wenn Informationen auf Netzwerken wie Facebook gepostet werden, die nur eine kleine Masse betreffen/interessieren? Ein “Zusammenknall” der Informationen und Interessen. Die eigentliche Zielgruppe wird nicht angesprochen und kann gegebenenfalls verärgert werden – die geposteten Infos verfehlen ihre Wirkung, der erwünschte Austausch findet nicht statt, es wird zu einem “Monotonieblogging”.

Ein Beispiel, wenn Informationen an eine nicht interessierte Zielgruppe gelangen. Gestern habe ich folgendes getwittert (Dabei muss ich erwähnen, dass meine Tweets ebenfalls bei Facebook gepostet wurden, die Diskussion wurde auch auf Facebook geführt):

“Es ist doch immer wieder interessant, welche Statusnachrichten in #icq verwendet werden. Ob alle Informationen in die Öffentlichkeit müssen?”

Folgende Diskussion hat sich daraus entwickelt:

“Du solltest dir dann auch mal überlegen ob die Öffentlichkeit dein Apple und Computerscheiß interessiert?” (User)

“Warum ließt du denn den Apple und Computerscheiß?”(User)

“Weil das so penetrant ins Auge fällt wenn da 2-3 oder mehr so unnötige beiträge stehen.hab schon versucht es auszustellen aber geht leider nicht.” (User)

“Okay, vlt. interessieren dich die Sachen nicht wirklich. Ob alles an die Öffentlichkeit muss, bzw. hier in FB gehört kann man auch drüber streiten, aber warum überließt du die Sachen nicht einfach? Jedenfalls gibt es auch Leute, die die Sachen lesen und einen Kommentar schreiben oder sonst was tun.” (User)

“Wenn du zwischen all den einträgen von euch einträge von anderen suchst ist das schon sehr nervig…
Guck doch mal das neuste von Denis!” (User)

“Ja hab ich,aber ich komm auch so bestens klar.die Sache warum ich mich überhaupt zu Wort gemeldet hab war denis’ Aussage, dass Leute bei icq der Öffentlichkeit Dinge mitteilen die niemanden interessieren bzw. nicht in der Öffentlichkeit preisgeben sollten.dabei tut er mit Punkt 1 das gleiche. ” (User)

“Eine Empfehlung aus dem AppStore, hast doch auch ein iPhone oder? Wobei ich finde, dass ich nicht wirklich viel hier auf FB poste. 2-3 Sachen am Tag. Manchmal gar nichts.” (User)

“Okay, niemanden ist jetzt so eine Sache. Aber okay. Verstehen kann man das schon ein bisschen, weil mich diese dummen Fragen von irgendwelchen FB spielen auch total nerven. Mal gucken, was es bisher so an Nutzen gebracht hat, Tweets auch an FB weiter zu leiten. Vlt. schalte ich das dann mal aus, wenn so extrem nervt.” (User)

Das Thema Öffentlichkeit bezieht sich auf persönliche Ereignisse bzw. persönliche Probleme der einzelnen Personen, welche als Status in icq verwendet werden und somit jedem mitgeteilt werden (können). Da stellt sich mir die Frage, ob so etwas in die Öffentlichkeit “getragen” werden muss? Micro-Blogging ist bei meinen Posts das Stichwort. Es wird immer Menschen mit unterschiedlichen Interessen geben, der eine fühlt sich angesprochen, ein anderer nicht. (Denis)

“Aber man sollte es wenn in einem angemessen Rahmen halten und wenn das nicht geht dort tun wo’s leute interessiert.ist ja schön und gut dass ihr an eurem Computer Zeugs spaß habt aber ich stell ja auch nicht ständig irgendwelche Links von neuen Technoliedern,Videos,Seiten und bildern die diese Musikrichtung betreffen hier rein auch wenn ich mir sicher bin dass sich hier Leute finden die das mit Sicherheit interessieren würde wie ihr es von eurem Micro blogging behauptet.” (User)

“Da gebe ich dir Recht. Du bist nicht der erste, der mich hier darauf anspricht. Es bringt zwar ein paar Klicks auf dem Blog usw. Aber das ist etwas die falsche Zielgruppe hier, sonst würden Kommentare wie deiner nicht kommen. Gut ist, dass du wenigstens sachlich geblieben bist” (User)

Die Eigentliche Fragestellung des Tweets bezog sich auf Statusmeldungen einzelner ICQ-Nutzer, welche persönliche Ereignisse/Erlebnisse veröffentlichen, die intime Informationen der User beinhalten. Meldungen ähnlich diesen sind nicht die Seltenheit: “Schatz, das Wochenende war so schön mit dir”, “Die letzte Nacht mit dir war der Hammer”, “Ich habe die Pille vergessen zu nehmen” …, solche oder so ähnliche Meldung gelangen immer wieder ins Internet. Muss das sein? Dort stellen sich mir zwei Fragen. Erstens, will ich diese Mitteilungen überhaupt lesen, zweitens, gehören diese überhaupt ins Internet. Beide Fragen kann ich mit Nein beantworten. Intime, persönliche Ereignisse gehören nicht in das Internet bzw. auf eine Plattform, welche die Informationen mit Freunden bzw. mit anderen Personen teilt. Es muss klar zwischen Informationen, die Privat/Intim sind und somit nicht ihren Weg ins Internet nehmen sollen und Informationen, die ohne Bedenken veröffentlicht werden können, differenziert werden. Dabei kann man keine klare Grenze ziehen, doch jeder sollte sich einmal die Frage stellen, wie Publik bin ich eigentlich? Damit ist nicht gemeint, auf wie vielen Plattformen ich angemeldet bin, sondern welche Infos ich über diese von mir der Öffentlichkeit mitteile.
Aus einigen Profilen und Mitteilungen der User können ganze Lebensläufe/Tagebücher erstellt werden. Wer möchte ein Online-Tagebuch? Sind Tagebücher nicht etwas ganz persönliches? Gehören Informationen aus einem Tagebuch ins Internet?

Ein weiterer Punkt, den ich eben angesprochen habe, ist die Zugehörigkeit der Informationen zur verwendeten Plattform. Nicht jeden interessieren die Informationen, die ein Nutzer postet. Wenn dieses Interesse gegen 0 geht, stellt sich die Frage, bringt dieses irgendetwas? Jeder sollte seine Zielgruppe im Auge behalten, ich kann nicht in einem Forum für Medizin Fragen zum Internet stellen und erwarten, dass die anderen Forennutzer über das Thema diskutieren bzw. mir eine Antwort geben.

Was nun? Interessenkonflikt herbeiführen und gegebenenfalls negative Kommentare einfahren, oder doch eine “friedliche”, kompatible Lösung nutzen? Ich finde, ein Konflikt sollte nicht herbeigeführt werden. Viel besser ist eine Kompromisslösung. Die Idee von Marc finde ich einen guten und positiven Lösungsansatz. Wer in einem Netzwerk wie Facebook überwiegend Kontakte hat, die andere Interessen verfolgen, dennoch einen Austausch mit anderen erfahren möchte, könnte sich zum Beispiel in Facebook eine Fanseite oder einen neuen Benutzer zulegen. Diese Option wäre ein sinnvoller Ansatz.

blog comments powered by Disqus